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Die Kinogeschichte
Bernburgs ist die Geschichte des Kinobesitzers Ottomar Tschakert.
Sie begann schon lange bevor überhaupt an das Capitol zu denken
war. 1908 eröffnete er bereits das Lichtspieltheater „Weltspiegel“
am Markt. Andere Kinos folgten dann wie z.B. in der Roschwitzer
Straße.
Ca. ab 1908 gab es schon Spielfilme in den Kinos zu sehen,
d.h. Stummfilme mit Handlung. Sie waren nicht lang, aber es traten
schon die großen Stars auf wie der UFA-Star Henny Porten. Damals
wurden die Filme durch Klavier- oder Geigenmusik untermalt. 1911 wurde das von Ottomar Tschakert nach eigenen Plänen erbaute „Cinephon“
Kino Karlsplatz 28 / Lindenstraße eröffnet. Dieses Kino wurde auch
später Lindenlichtspiele genannt. Es fasste damals schon 600
Personen und war im Jugendstil eingerichtet. Die technische
Einrichtung des "Cinephons" war für die damalige Zeit auf dem
neuesten Stand. Zwischen 1911 und 1927 wurden auch in Bernburg
die großen Filme dieser Zeit gezeigt.
Nachdem sich die Filmindustrie, insbesondere durch den Tonfilm, sehr
schnell entwickelte, wurden in den Großstädten große Filmpaläste
gebaut. Ottomar Tschakert besaß zu dieser Zeit den „Globus
Filmverleih“, dessen Geschäfte er auch bis zu seiner Einberufung 1916
führte. Durch seine Verbindung zu den großen
Filmverleih-Gesellschaften (UFA, Bavaria, Gloria & MGM) war es ihm
möglich, die neuen Filme gleichzeitig oder kurz nach ihrer
Uraufführung hier in Bernburg zu zeigen. Somit war das Bernburger Publikum
immer auf dem Laufenden.
Ottomar Tschakerts großer Traum war es, auch für Bernburg ein großes
schönes Filmtheater zu bauen aber schon damals, nach dem 1.
Weltkrieg, scheiterten seine Pläne an den uneinsichtigen und
kurzsichtigen Ratsherren. Sie erlaubten ihm nicht, ein oder zwei
Häuser in der Auguststrasse, die er erworben hatte, abzureißen um
eine moderne Eingangsfront für sein neues Kino zu schaffen. Dabei
hatte er für die dortigen Mieter Ersatzwohnungen in gleicher
Qualität angeboten. So wurde das heute noch stehende „Capitol“ auf dem
Hintergrundstück nach eigenen Plänen realisiert. Es ist nur sehr
schade, dass der wunderschöne Klinkerbau mit seinen Pfeilern und Lisenen, mit Ornamentarbeiten über Ein- und Ausgängen, den Fenster-
und Balkonbrüstungen nicht von der Straße aus zu sehen ist. Es wäre
eine wirklich schönes repräsentatives Kino für Bernburg geworden.
Ottomar Tschakert hatte trotz dieser vielen Mühen alles gemeistert
und konnte am 14. November 1927 seinen Neubau (das „Capitol“)
einweihen.
Das Capitol hatte knapp 1000 Sitzplätze, indirekte Beleuchtung, eine
Klimaanlage, eine Kleinkunstbühne und eine für die damalige Zeit
ungewöhnlich große Leinwand (größer als die bis zum heutigen
Zeitpunkt erhaltene Leinwand). Selbstverständlich war die
Ausstattung für die Vorführung von Stumm- und Tonfilmen von bester
Qualität. Mit der Weiterentwicklung der Tonfilme wurde die an sich
schon „tolle Akustik“ des Saales durch Bespannen der Wände mit Stoff
vervollkommnet. Die Leinwand konnte jeweils mit zwei verschiedenfarbigen Vorhängen verdeckt werden und es wurden von Zeit zu Zeit
Musikveranstaltungen dargeboten. Link und rechts neben der Bühne
befanden sich die Bühnenzimmer, auch ein Orchestergraben war
vorhanden.
Anlässlich der Eröffnung am 14. November 1927 wurde der Film von der
Entstehungsgeschichte des Capitols gezeigt, bevor die 560 Gäste den
Film „Der Meister von Nürnberg“ sahen. Den Ton lieferte das
zwölfköpfige Hausorchester unter der Leitung von Kapellmeister Mann.
Ottomar Tschakert starb am 2. August 1943 und musste so die
Enteignung seines Lebenswerkes „zum Glück“ nicht mehr miterleben. In
den darauf folgenden Jahren wurde das „Capitol“ mehrfach umgebaut
und weiterentwickelt. 1960 wurden Bühnenraum und Tonanlage erstmals
umgebaut und der Orchestergraben verschwand. 1964 wurde dann ein
Komplettumbau durchgeführt, wobei der Rang sowie Saalbereich erneuert
wurden, neue Farben und Stoffe gaben dem Saal ein neues Gesicht - die Leinwand
wurde verkleinert. Ende 1964 wurde das „Capitol“ im neuen Glanz
wiedereröffnet.
Ab dem 30. September1985 bis 1986 wurde das „Capitol“ dann nochmals
rekonstruiert, hierbei wurde die im Obergeschoss befindliche „Cafebar“
entfernt und es entstand das „Clubkino“. Die Sitze wurden komplett
gewechselt und eine neue Heizungsanlage wurde eingebaut. Das
Highlight dieses Umbaus war natürlich die "Visions-Bar
", die bis zum heutigen Zeitpunkt ein einzigartiger Zuschauermagnet
ist. Im Sommer 1986 wurde das Capitol wiedereröffnet
und wurde zugleich eines der Festivaltheater der ehemaligen DDR. Ab diesen
Zeitpunkt gab es auch in regelmäßigen Abständen die legendären
Filmdiskos im Saal des Capitols. Bis März 1989 lief das „Capitol“
dann weiter durch Führung der Filmdirektion Halle; durch die Wende
ging es im Jahr 1990 dann nach 45 Jahren wieder in Privatbesitz
über. Am 1.Juni 2006 gab es zum Kindertag die erste Filmdisko nach
16 Jahren, 250 Kinder tanzten und spielten im Capitol Bernburg.
Ein Besuch im „Capitol“ lohnt sich immer, noch heute zählt es zu den
schönsten Kinos in ganz DEUTSCHLAND.
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